Vom Whiskyfass zur Investmentplattform – Skalieren eines Startups

Angefangen hat alles mit einem Whiskyfass, einem gefüllten Whiskyfass. Heute ermöglicht Splint Invest über ihre Plattform privaten Kleininvestoren mit tokenisierten Anteilen in Sachwerte wie Oldtimer, Uhren, Diamanten, Kunst oder Whisky zu investieren.

In der 15. Folge von t’charta chats spricht Dennis Flad mit Aurelio Perucca, Geschäftsführer und Co-Founder von Splint Invest, über die Skalierung eines Startups, die Erfolgsfaktoren in der Plattform-Ökonomie mit tokenisierten Assets und wieso ein ausgebliebener Venture Capital Deal für das nachhaltige Wachstum von Vorteil war.

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Splint Invest ermöglicht es Kleininvestoren gemeinsam physische Anlageklassen zu kaufen und nach einer gewinnsteigernden Haltefrist wieder an spezialisierten Marktplätzen wie Kunstauktionen oder Diamantenbörsen zu verkaufen. Die Assets werden von Experten vorgängig geprüft und deren Werte validiert. Durch den Crowd-Investing-Effekt können die Kosten von komplexen Prozessen und hohen fixen Transaktionskosten gesplittet werden, was die Investition in wertsteigende Sachwerte für kleinere Investoren tragbar macht.

Investieren ohne Emotionen

Wichtig ist dabei, so Aurelio, das emotionslose Einkaufen. In vielen Situationen entscheiden sich Käufer von Luxusobjekten aufgrund von individueller Präferenz - wer den gelben Porsche unbedingt will, zahlt mehr. Splint Invest macht das Gegenteil: konsequente Orientierung an Marktpreisen, kein emotionales Attachment und direktes Bezahlen. Wer schnell verkaufen muss, akzeptiert dafür 10–15% unter Markt.

Das Wachstum des Startups selbst verlief in Wellen. Die erste Challenge war die Balance zwischen Angebot und Nachfrage zu finden. Zu viel Angebot und die Objekte wirken unattraktiv, zu wenig Angebot und das Unternehmen wächst nicht. Die zweite Challenge war der Trade-off zwischen Marketing und Produkt. Zuerst konzentrierte man sich auf das Produkt. Man wuchs organisch, über eine enge Zielgruppe und Mundpropaganda. Dann, als die organische Reichweite an ihre Grenzen stiess, folgte ein Shift auf Marketing, insbesondere Paid Marketing. Dann wieder Produktfokus, als die Customer Acquisition Costs die Unit Economics aus dem Gleichgewicht brachten. Was klingt wie ein sauberer Prozess, war in der Realität holpriger und der Wechsel zwischen Produkt- und Marketingfokus kam immer wieder zu spät. Wer diesen Rhythmus früher erkennt, spart Zeit und Geld.

Perspektivenwechsel wegen fehlendem Venture Capital

Da Splint Invest kein Venture Capital erhalten hat, veränderte sich auch die Wachstumsperspektive grundlegend. Es ging nicht darum, möglichst schnell möglichst viele neue Kunden zu erreichen, sondern darum, Kunden zu Kosten zu finden, welche sich nach 3-6 Monaten wieder amortisieren. Dieser Ansatz liefert keinen Hockeystick, sondern nachhaltiges Wachstum und war überlebenswichtig für Splint Invest.

Erfolgsfaktoren der Plattform-Ökonomie

Im Gespräche identifizieren Dennis und Aurelio fünf Erfolgsfaktoren für Plattform- und Marktplatzmodelle mit tokenisierten Assets. Erstens ein klarer Mehrwert für den Kunden. Zweitens Reach: Jede Plattform-Ökonomielösung braucht kritische Masse, sonst bringt das System keine Markteffizienz und keinen Mehrwert. Doch zu viel Angebot oder zu viel Nachfrage ist auch nicht gut. Deshalb, drittens, das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage muss aktiv bewirtschaftet werden. Viertens müssen die Plattform-Lösungen nahtlos in die bestehenden Prozesse integriert werden – im Fall von Splint Invest zum Beispiel bei Zahlungsmethoden oder beim Onboarding von Assets. Meistens bestehen schon Geschäftsprozesse und -systeme zum Kauf und Verkauf von Sach- und Geldwerten oder Dienstleistungen. In diese gilt es, sich ohne Medienbrüche anzudocken. Und fünftens ein verlässliches Regelwerk, das Vertrauen schafft und Missbrauch verhindert. Fehlt einer dieser Faktoren, wird es schwierig mit der Skalierung von Plattform-Lösungen.

Und noch ein Erfolgsfaktor ist für beide entscheidend: ein gutes und eingespieltes Gründerteam, denn es wird immer wieder Phasen geben, in denen die Euphorie verfliegt und es anstrengend wird. Da ist Zusammenhalt und gegenseitiges Vertrauen entscheidend.

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